|
|
jessi's Tagebuch
|
|
|
 
Februar 2012
|
|
|
|
| Eintrag von jessi
am 25.2.2012 |
Nachtrag 21.02.
3. Tag auf Termin *. Scheiß Fasching sag ich da bloß. Montag und Dienstag war tote Hose. Ich mein klar wären manche Menschen froh, für 70 € den ganzen Tag nur rumzuliegen...
Aber dafür lohnt es sich ja kaum zur Arbeit zu gehen. Man muss die Zeit bedenken, die ich hier bin. bei 13 Stunden bleibt kaum genug Zeit wenigstens mal kurz einkaufen zu gehen und zu schlafen. Man kann nicht raus, kann nichts vernünftiges machen. Ich bin mit 5 anderen Bulgarinnen, Polinnen, und einer Ungarin, glaub ich, in einem Raum eingesperrt. Alle reden, rauchen, telefonieren und hören Musik. Man kann es gut und schlecht treffen mit den Mädels... Immerhin komm ich gut voran mit meinem Buch. Allerdings sollte ich mir wohl einen Laptop zulegen, gerade schreibe ich ich das ganze Handschriftlich - ja sowas gibts noch - auf irgendeinen zettel.
Aber um auf die Frage zurückzukommen, ob ich da freiwillig reingeraten bin: Ich werde versuchen, das möglichst verständlich aber trotzdem kurz zu erzählen.
Ich war 19. Hatte gerade wegen meiner Depression (was ich damals noch nicht wusste), meine weiterführende Schule abgebrochen. Ich hatte kein Geld, keine Zukunft und hatte nicht genug Kraft mir was neues aufzubauen. Irgendwann war ich verzweifelt genug mit einem ins Bett zu gehen, der mich schon immer angegraben hatte - gegen Geld.
Es war auch nicht anders, als wenn man sich in der Disko einen abschleppt... Nur dass man nüchtern ist und alles unter Kontrolle hat. Und danach hatte ich für einen ziemlich kleinen Aufwand 50 € in der Hand. Eine Zeitlang machte ich das so weiter und hielt mich einigermaßen über Wasser. Dabei verlor ich mich allerdings immer mehr, weil ich aufhörte zu denken. Ich wollte nicht merken, wie schmutzig ich mich inzwischen fühlte, was ich da eigentlich machte. Irgendwann brachte mich jemand zu jemandem, der mir anbot, mich in einer Wohnung unter zu bringen, wo ich "richtig" arbeiten könnte. Er würde alles organisieren, mich mit Klamotten eindecken, sich um mich kümmern - dafür aber auch die Hälfte von dem kassieren, was ich verdienen würde. Kurz gesagt mein Zuhälter.
Den braucht man dringen. Niemand kann ohne arbeiten, da würden sie aufpassen, wurde mir gesagt.
Natürlich hatte ich ein bisschen Angst und ein kleiner teil meines Hirns sagt mir auch, dass ich da nicht so schnell rauskommen würde. Aber ich war erschöpft, alles überforderte mich, ich konnte das Gefühl nicht mehr ertragen, nur mit 2 € dazustehen und nicht zu wissen wohin. Da mir jemand anbot, mir alles abzunehmen und mir eine Gelegenheit zu geben wo ich leicht viel Geld verdienen kann, nahm ich es an.
Auch die Bedingung alles und jeden hinter mir zu lassen, nahm ich gerne hin. Niemand war mir wichtig. Meiner Familie wollte ich nicht unter die Augen kommen, da ich ja mal wieder auf der gesamten Linie versagt hatte.
Ein paar tage später stand ich mit einem Haufen Dessous in einer kleinen Wohnung in Mainz...
*Das sagt man so, weil man zum Arbeiten immer Termine von 2 Tagen bis mehrere Wochen macht
Soweit jetzt erstmal von mir. Die Geschichte ist noch nicht wirklich fertig. Aber es hat mir unglaublich gut getan, es mal ganz zu erzählen. Das wissen nur die wenigsten Menschen... Ich werde mir demnächst wieder zeit nehmen und den Rest erzählen. Vielen Dank auch für die Anteilnahme und die lieben Kommentare bis jetzt.
Fragen bitte weiterhin immer gerne stellen. Auch privat als nachricht, sollte es sich um "FSK 18" zeugs handeln...
LG jessi
Zu diesem Eintrag gab es bis jetzt keine Kommentare. Du bist nicht eingeloggt und kannst deshalb keine Kommentare schreiben.
|
|
Aaaaarrrrrggrrhhhhiiiiiuuuaaaarrgghh! Oder: Gereizt und grundlos wütend. Liebes Tagebuch,
manchmal gibt es Tage, da b...
seerose Bin im Moment - wo ich gerade mal eine halbe ...
jessi
Alter: 24
weiblich |
| Profil:
Hobbies:
Beruf:
|
|